Ein aufschlussreiches Interview mit Transfermarkt wirft neues Licht auf die bemerkenswerte Karriere von Jürgen Klopp und enthüllt verpasste Chancen, umstrittene Entscheidungen und eine dramatische berufliche Metamorphose, die die moderne Fußballführung weiterhin prägt.
Marc Kosicke, Gründer von Projectfive und einer der einflussreichsten Berater im deutschen Fußball, gab seltene Einblicke in seine langjährige Partnerschaft mit dem gefeierten Trainer — eine Beziehung, die mit Klopp als seinem allerersten Klienten begann und sich parallel zu dessen Aufstieg zu internationalem Ruhm entwickelte.
Vom Spielfeldgeneral zum Fußball-Manager
Kosicke zufolge hat Klopp eine „Metamorphose“ durchlaufen und ist vom praxisnahen Trainer zu einem strategischen Fußball-Manager innerhalb der globalen Struktur von Red Bull geworden.
In den letzten Jahren verlagerte sich ihre Zusammenarbeit von der Verhandlung von Trainerverträgen und der Rekrutierung von Mitarbeitern hin zu Managementaufgaben in Unternehmenspartnerschaften und übergeordneten Organisationsverantwortungen. Mit Kosickes Erfahrung bei großen Sportmarken wie Adidas und Nike unterstützt er nun Klopps wachsende Rolle im Management und bei geschäftlichen Strategien.
Berichten zufolge stehen die beiden fast alle zwei Tage in Kontakt, was Klopps zunehmenden Einfluss jenseits des Spielfelds und in die Bereiche Fußballführung und kommerzielle Operations widerspiegelt.
Friktionen zu Beginn der Karriere und ein berüchtigter Werbespot
Trotz ihrer engen Beziehung erinnerte Kosicke sich an Spannungsmomente — insbesondere an einen umstrittenen Werbespot für die Tapetenkleister-Marke Metylan, den Klopp drehte. Der Spot erntete breite Spott, und der peinlich berührte Klopp forderte dessen Entfernung.
Kosicke nutzte schließlich seine eigene Provision aus dem Deal, um einen Ersatzspot zu finanzieren, die Situation zu bereinigen und Klopps öffentliches Image zu wahren. Außerdem agierte er häufig als Vermittler, wenn Klopp während seiner Trainerkarriere mit Vereinsbesitzern über Transferziele stritt.
Der lange Weg zu Red Bull
Klopps späterer Wechsel in das Fußball-Ökosystem von Red Bull, der 2024 viele überraschte, war Jahre in Vorbereitung. Die Verbindung geht zurück bis 2008, als Klopp angesprochen wurde, FC Red Bull Salzburg zu coachen, während er noch bei 1. FSV Mainz 05 tätig war. Die Verhandlungen scheiterten nach Differenzen mit Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz.
Doch die Beziehung hielt. Bei einem späteren Treffen äußerte Mateschitz den Wunsch, dass Klopp irgendwann die Fußballabteilung von Red Bull übernehmen solle. Die Gelegenheit tauchte erneut auf, nachdem Klopp im Mai 2024 Liverpool FC verlassen hatte, und führte schließlich zu seiner heutigen Führungsrolle.
Kosicke erklärte, dass Klopp von Red Bulls globalen Sportambitionen und der etablierten Fußballphilosophie fasziniert war, da er während seiner Trainerkarriere bereits mehrere Spieler aus dem Red-Bull-Netzwerk verpflichtet hatte.
Öffentliche Kritik und Imagebedenken
Der Wechsel zu Red Bull löste in Deutschland erhebliche Kritik aus, da befürchtet wurde, Klopps Popularität könne sinken. Kosicke gab zu, dass er seinen Klienten warnte, dass seine Zustimmung in der Öffentlichkeit deutlich abnehmen könnte.
Dennoch kamen beide zu dem Schluss, dass Red Bulls globaler Ruf überwiegend positiv sei, und Klopp hielt daran fest, dass die Entscheidung seine Erfolge bei Borussia Dortmund oder Mainz nicht schmälert. Kritik nahm er als Teil des Berufslebens an und stand fest zu seiner Wahl.
Der Transfer, der nie stattfand — Hamburg und Dortmund
Das Interview offenbarte auch, wie Klopps Karriere einen völlig anderen Verlauf hätte nehmen können. 2008 stand er kurz davor, Hamburger SV zu übernehmen, die Verhandlungen waren abgeschlossen, und persönliche Vorbereitungen liefen bereits. Der Deal scheiterte nach Differenzen während einer abschließenden Telefonkonferenz.
Bald darauf zeigte Bayer 04 Leverkusen Interesse, priorisierte jedoch zunächst Mirko Slomka. In der Zwischenzeit handelte Borussia Dortmund entschlossen und erklärte Klopp zum Top-Kandidaten. Innerhalb einer Woche unterzeichnete er bei Dortmund — eine Entscheidung, die sein Vermächtnis prägte und eine der gefeiertsten Trainerkarrieren im Fußball einleitete.
Wird Klopp jemals zurückkehren?
Trotz seines enormen Erfolgs an der Seitenlinie glaubt Kosicke, dass Klopp derzeit in seiner Managementrolle erfüllt ist und keine unmittelbaren Pläne hat, zum Trainer zurückzukehren. Dennoch schließt er eine zukünftige Rückkehr nicht aus und deutet an, dass der Deutsche eines Tages das Bedürfnis verspüren könnte, wieder das Kabinenumfeld zu erleben.
Vor der Annahme der Red-Bull-Rolle erhielt Klopp Berichten zufolge Angebote von Nationalmannschaften, darunter die USA, England und möglicherweise Deutschland. Auch große englische Vereine wie Chelsea FC und Manchester United zeigten Interesse, obwohl Klopp zuvor klargemacht hatte, dass er keinen weiteren englischen Klub nach Liverpool trainieren würde.
Deutschland, Bayern München und der Moment, der nie kam
Kosicke bestätigte, dass Klopp eine starke emotionale Verbindung zu Deutschland pflegt, aber nicht glaubt, dass die Nationalmannschaft für seine Karriere entscheidend ist. Er räumte jedoch ein, dass es für Klopp schwierig sein könnte, die Position auf Dauer abzulehnen.
Der Berater enthüllte außerdem, dass FC Bayern München zweimal kurz davor war, Klopp zu verpflichten. 2008 unterstützte Uli Hoeneß seine Ernennung, doch Karl-Heinz Rummenigge bevorzugte Jürgen Klinsmann. Ein zweiter Anlauf erfolgte 2019 nach der Entlassung von Niko Kovač, aber Klopp war zu dieser Zeit bei Liverpool engagiert.
Laut Kosicke scheiterte die Partnerschaft schlicht, weil der Zeitpunkt nie passte.
Eine Karriere geprägt von Entscheidungen und Transformation
Die Enthüllungen zeigen eine Karriere, die ebenso stark von verpassten Chancen wie von historischen Erfolgen geprägt ist. Von gescheiterten Verhandlungen und umstrittenen Entscheidungen bis hin zu globalen Triumphen und Führungsaufgaben entwickelt sich Klopps Werdegang weiterhin auf unerwartete Weise.
Während der Fußball Zeuge von Klopps nächstem Kapitel innerhalb des expandierenden Red-Bull-Imperiums wird, bleibt eine Frage offen — wird der charismatische Deutsche jemals an die Seitenlinie zurückkehren oder sein Vermächtnis dauerhaft als Führungspersönlichkeit jenseits des Spielfelds neu definieren?