Der Druck auf den 1. FC Köln nimmt nach dem nächsten enttäuschenden Ergebnis weiter zu. Diesmal kassierte der FC eine 1:2-Niederlage in Hamburg. Die Reaktion der mitgereisten FC-Fans war eindeutig: Die Mannschaft wurde mit einem Pfeifkonzert verabschiedet. Immer stärker rückt jedoch auch Cheftrainer Wagner in den Mittelpunkt der Kritik.
Nach dem Spiel räumte Wagner ein, dass es nicht ausreicht, die Probleme der Mannschaft lediglich zu besprechen und zu analysieren – sie müssten auf dem Platz behoben werden. Seine anschließende Entscheidung, der Mannschaft während der Länderspielpause fünf Tage frei zu geben, sorgt jedoch für erhebliche Diskussionen.
«„Nach den ersten vier Spieltagen ist es wichtig, auch mal ein paar Tage durchzuschnaufen.“»
Für viele Beobachter ist diese Entscheidung angesichts der bereits nach vier Ligaspielen sichtbaren körperlichen Probleme nur schwer nachvollziehbar. Immer wieder hatten Kölner Spieler mit Muskelkrämpfen zu kämpfen, obwohl der Verein im Juli ein Sommer-Trainingslager absolviert hatte.
Taktische Fragen werden immer lauter
Die Probleme beschränken sich jedoch längst nicht mehr auf die Fitness.
Köln hat bislang keine konstant erkennbare Spielidee entwickelt. Auch Wagners taktische Anpassungen während der Spiele stehen zunehmend in der Kritik.
Gegen den HSV konnten Maina und Castro-Montes nur wenig Einfluss auf das Spiel nehmen, während El Mala, Moore und Dallinga im Zentrum häufig ähnliche Räume besetzten und sich dadurch gegenseitig behinderten.
Kritiker fragen sich deshalb, warum Wagner nicht früher reagierte, Moore auf die rechte Seite beorderte, Maina früher auswechselte und mit Sebulonsen für zusätzliche defensive Stabilität sorgte.
Auch bei der Besetzung der Defensive stellen sich ähnliche Fragen. Simpson-Pusey hatte neben Lochoshvili Schwierigkeiten, während Alternativen wie Schmid oder VdB bislang nur wenige Chancen erhalten haben.
Das ist besonders bemerkenswert angesichts der erheblichen Investitionen des Vereins im Sommer. Köln gab rund 24 Millionen Euro für neue Spieler aus, dennoch verbringen einige der kostspieligen Defensiv-Neuzugänge bislang viel Zeit auf der Bank oder der Tribüne.
Probleme bei Standards bleiben bestehen
Ein weiteres großes Sorgenkind ist die anhaltende Anfälligkeit des FC bei Standardsituationen.
Der Verein hat in jedem Pflichtspiel dieser Saison mindestens ein Gegentor kassiert. Bereits fünf Gegentreffer resultierten aus ruhenden Bällen.
Sportdirektor Kessler räumte das Problem ein:
«„Wir sollten uns damit akribisch auseinandersetzen.“»
Diese Aussage wirft zwangsläufig eine weitere Frage auf: Was wurde in der Vorbereitung unternommen, um eine Schwäche zu beheben, die sich nun auch in der neuen Saison fortsetzt?
Auch die Organisation der Abwehr und die Verantwortung von Kapitän und Torhüter Marvin Schwäbe, seine Mitspieler entsprechend zu positionieren, werden hinterfragt.
Wagners Bilanz im Fokus
Auch Wagners bisherige Bilanz wird zunehmend zum zentralen Bestandteil der Debatte.
Köln hat aus den ersten vier Ligaspielen lediglich vier Punkte geholt. Damit kommt Wagner aktuell auf durchschnittlich rund 0,9 Punkte pro Spiel – nahezu identisch mit seiner Ausbeute als Interimscoach des Vereins in der vergangenen Saison.
Über eine komplette Saison hochgerechnet würden daraus ungefähr 31 Punkte resultieren – eine Ausbeute, die Köln in einen ernsthaften Abstiegskampf führen würde.
Die Kritik dreht sich daher längst nicht mehr nur um einzelne Ergebnisse. Vielmehr stellt sich die Frage, ob Wagner in der Lage ist, eine feste Stammelf zu etablieren, die Sommer-Neuzugänge erfolgreich zu integrieren und der Mannschaft eine klare taktische Struktur zu vermitteln.
Eine richtungsweisende Phase steht bevor
Trotz der zunehmenden Sorgen scheinen Kessler und die Vereinsführung weiterhin an ihrem bisherigen Kurs festhalten zu wollen, anstatt unmittelbar einen Trainerwechsel vorzunehmen.
Die Entscheidung, ohne größere Konsequenzen in die Länderspielpause zu gehen, hat Teile der Kölner Anhängerschaft überrascht – insbesondere angesichts des anspruchsvollen Programms, das nun bevorsteht.
Für Wagner könnte seine Position in den kommenden Wochen einer noch größeren Belastungsprobe ausgesetzt sein:
FC Köln – Borussia Mönchengladbach
Eintracht Frankfurt – FC Köln
FC Köln – Schalke 04
FC Köln – Union Berlin | DFB-Pokal
Union Berlin – FC Köln
Insbesondere das Rheinische Derby könnte eine besondere Bedeutung bekommen.
Die dreiwöchige Länderspielpause gibt Köln die Möglichkeit, sich neu zu sammeln. Gleichzeitig bietet sie dem Trainerteam die Gelegenheit, die taktische Organisation, den körperlichen Zustand und die defensiven Schwächen der Mannschaft gezielt anzugehen.
Nach den hohen Erwartungen aufgrund der umfangreichen Transferinvestitionen scheint die Geduld bei den Anhängern zunehmend zu schwinden.
Die Saison befindet sich zwar noch in der Anfangsphase, doch die wachsende Unzufriedenheit richtet den Fokus bereits deutlich auf Wagner – und auf die Frage, ob er die Antworten liefern kann, nach denen Köln derzeit sucht.