Der Geschäftsführer von Hertha BSC, Peter Görlich, hat einen umfassenden Ausblick auf die sportliche Ausrichtung, die Kaderplanung und die finanzielle Situation des Klubs gegeben und dabei sowohl Kontinuität in der Führung als auch tiefgreifende strukturelle Veränderungen bestätigt.
Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bestätigte Görlich, dass Cheftrainer Stefan Leitl auch über die laufende Saison hinaus im Amt bleiben wird, trotz der inkonstanten Spielzeit in der 2. Bundesliga.
Er sagte:
„Ja. Es ist meine Verantwortung als Führungskraft zu fragen: Was ist es wert, das zu ersetzen, was bereits existiert? Dieser Klub profitiert von Kontinuität in seiner Inkonsistenz. Aber Kontinuität darf nicht mit Mutlosigkeit verwechselt werden. Die gesamte Organisation muss sich daran gewöhnen, wettbewerbsfähiger zu werden.“
Görlich bestätigte zudem, dass Sportdirektor Benjamin Weber seine Rolle ebenfalls fortführen wird:
„Auch hier: ja.“
Kaderumstrukturierung und finanzieller Druck
Görlich sprach auch die finanziellen und kaderplanerischen Herausforderungen Herthas an und räumte ein, dass aufgrund der Kostenstruktur umfangreiche Veränderungen notwendig seien.
„Wir wissen, dass wir einen der teuersten Kader der Liga haben und dass wir uns die Kaderstrukturen in dieser Phase der Konsolidierung eigentlich nicht leisten können“, sagte er.
Er ergänzte:
„Die Kosten im Fußball haben eine gewisse, durchaus signifikante Korrelation mit Erfolg. Daher steht das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht in dem Verhältnis, das wir uns erhofft hatten.“
Mit Blick auf die Saison 2026/27 machte er deutlich, dass tiefgreifende Veränderungen bevorstehen:
„Das bedeutet, dass wir eine grundlegend andere Kaderzusammensetzung haben werden. Wir werden den Kader verkleinern und die Ausgabenstruktur anpassen. Wir werden gezielt reinvestieren, aber nicht blind.“
Mögliche Spielerabgänge
Hertha wird im kommenden Sommer voraussichtlich einen Transferüberschuss erzielen, wodurch wichtige Abgänge wahrscheinlich sind.
„Ich würde am liebsten keinen unserer Spieler abgeben“, sagte Görlich. „Aber es gibt einen Markt. Wenn Angebote für Spieler kommen, müssen wir diese aufgrund unserer Situation sorgfältig prüfen und gemeinsam mit den Spielern Entscheidungen treffen. Wir sind kein Klub, der es sich leisten kann, Angebote einfach zu ignorieren.“
Er erinnerte zudem an frühere finanzielle Entscheidungen im Verein:
„Es gab eine Zeit, in der Hertha mit finanziellen Mitteln versorgt wurde, die jedoch verschwendet wurden.“
„Die größte Transformation im Fußball“
Görlich warnte davor, dass Hertha eine Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen bevorsteht.
„Der Klub muss sich der Realität stellen“, sagte er. „Hertha steht vor der größten Transformation im Fußball, und dabei wird auch etwas verloren gehen.“
Trotz einer Saison, in der Hertha den Sprung unter die Top fünf der 2. Bundesliga verpasst hat, sieht er interne Fortschritte:
„Die Wahrheit ist, dass wir nie ganz an der Spitze waren. Dennoch haben wir eine positive Entwicklung genommen; die Gesamtstruktur hat sich stabilisiert. In einigen Bereichen fehlt uns noch der letzte Impuls.“
Abschließend formulierte er eine langfristige Perspektive:
„Ich sehe diese Saison als Ausgangspunkt für etwas, das zu etwas viel Größerem führen kann – in dem Bewusstsein, dass sich dieser Klub massiv verändern wird.“