Der Hamburger SV treibt ein ehrgeiziges Strukturprojekt voran, das das Volksparkstadion grundlegend verändern und zugleich die Einbindung der Mitglieder in die Zukunft des Vereins deutlich stärken soll. Statt einer kurzfristigen finanziellen Lösung versteht sich die Initiative als langfristige Investition in Infrastruktur und Fanerlebnis.
Im Zentrum der Pläne steht die Gründung einer Genossenschaft, des sogenannten „Supporters Trust“, dessen offizielle Gründungsversammlung für den 5. Mai angesetzt ist. Obwohl die Vorbereitungen bereits seit Monaten laufen, steht der operative Start noch unter dem Vorbehalt abschließender Genehmigungen.
Die Grundidee besteht darin, den HSV-Mitgliedern mehr Einfluss zu geben und gleichzeitig umfangreiche Stadionmaßnahmen zu finanzieren. Läuft alles wie geplant, könnte das Volksparkstadion über seine derzeitige Kapazität von 57.000 Plätzen hinaus wachsen – langfristig wird sogar eine Marke von über 60.000 Zuschauern anvisiert.
Vereinspräsident Henrik Köncke, der das Projekt bereits vor seiner Wahl im Juni 2025 maßgeblich vorangetrieben hat, beschreibt die Initiative als umfassenden Ansatz zur Verbesserung des Spieltagserlebnisses. Dabei geht es nicht nur um eine Erweiterung der Kapazität, sondern auch um bessere Sichtverhältnisse, zusätzliche sanitäre Anlagen, modernisierte Catering-Bereiche und eine generelle Aufwertung der Stadioninfrastruktur.
Nach Angaben Könckes soll bereits die erste Ausbaustufe spürbare Fortschritte bringen. Sobald die notwendigen Genehmigungen vorliegen, sollen die Bauarbeiten umgehend beginnen. Ziel ist es, die Kapazität im Laufe der kommenden Saison zunächst auf über 58.000 Plätze zu erhöhen, ehe in weiteren Schritten die langfristige Zielgröße erreicht wird.
Zur Finanzierung plant der HSV die Ausgabe von 18.870 Genossenschaftsanteilen zu je 887 Euro. Zunächst erhalten Vereinsmitglieder ein Vorkaufsrecht, anschließend können auch Dauerkarteninhaber ohne Mitgliedschaft zugreifen. Dieses Modell soll die enge Bindung an die Fans sichern und gleichzeitig frühzeitig Kapital generieren. Bereits in der ersten Phase rechnet der Klub mit Einnahmen von rund 16 Millionen Euro, langfristig könnten bis zu 100 Millionen Euro erzielt werden.
Trotz des Umfangs des Projekts betonen die Verantwortlichen, dass es sich nicht um eine Maßnahme aus finanzieller Not handelt. Vielmehr wird die Genossenschaft als strategisches Instrument für nachhaltige Entwicklung und stärkere Fanbeteiligung verstanden. Entsprechend sollen die Mittel nicht in Spielertransfers fließen, sondern gezielt in Infrastruktur und fannahe Projekte investiert werden.
Unterstützung erhält das Vorhaben auch von prominenten Persönlichkeiten aus dem HSV-Umfeld. Vereinslegenden wie Horst Hrubesch und David Jarolím sowie Cheftrainer Merlin Polzin, der selbst zu den Gründungsmitgliedern zählt, fungieren als Aushängeschilder des Projekts. Damit soll unterstrichen werden, dass es sich um eine gemeinschaftliche Initiative des gesamten Vereins handelt.
Polzin stellte zudem in Aussicht, dass sich auch Spieler und Mitarbeiter aktiv einbringen werden, was die Idee einer breiten Mitgestaltung innerhalb des Klubs weiter stärkt.
Insgesamt markiert das Genossenschaftsmodell des HSV einen klaren strategischen Wandel: hin zu mehr Fanbeteiligung, moderner Infrastruktur und langfristiger Stabilität. Sollte das Projekt erfolgreich umgesetzt werden, könnte das Volksparkstadion nicht nur größer, sondern auch zu einer modernen und stärker gemeinschaftlich geprägten Fußballarena werden.