Fernando Carro hat eine bekannte Bruchlinie im deutschen Fußball neu belebt, indem er Lob mit deutlicher Kritik verband, als er die Dominanz und interne Kultur des FC Bayern Munich beleuchtete – und zugleich seine klare Verbundenheit zu Bayer Leverkusen unterstrich.
Im Podcast Spielmacher zeichnete der Leverkusen-CEO ein vielschichtiges Bild des langjährigen Erfolgs der Münchner. Einerseits würdigte er die strukturelle Exzellenz, die von Persönlichkeiten wie Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge aufgebaut wurde, und betonte, dass sie eine Maschine geschaffen hätten, die den deutschen Fußball bis heute prägt.
Gleichzeitig scheute Carro nicht davor zurück, einen zentralen Faktor dieses Erfolgs zu benennen.
„Sie sind es gewohnt zu gewinnen – das prägt intern alles“, erklärte er. „Das macht das Gewinnen vielleicht einfacher. Aber es gibt auch eine gewisse Arroganz, oder zumindest ein starkes Selbstbewusstsein, das solche Klubs auszeichnet.“
Diese Aussage, wenngleich differenziert formuliert, fügt der ohnehin angespannten Beziehung zwischen dem Rekordmeister und seinen zunehmend ambitionierten Herausforderern eine weitere Facette hinzu.
Bayern-Vorstöße hinter den Kulissen abgeblockt
Carro gewährte zudem Einblicke in frühere Versuche der Bayern, zentrale Figuren aus Leverkusen abzuwerben. Demnach hätten sowohl Rudi Völler als auch Simon Rolfes Angebote aus München erhalten – diese jedoch abgelehnt.
„Der Rudi hat es nicht gemacht, der Simon hat es nicht gemacht. Obwohl sie Angebote hatten – soweit ich weiß“, so Carro.
Die Botschaft ist eindeutig: Die Führungsriege in Leverkusen hat sich dem Sog der Bayern widersetzt und damit Identität und Kontinuität im eigenen Projekt gestärkt.
Auch Carro selbst ließ keinen Zweifel an seiner Haltung.
„Ich bin Leverkusener.“
Wirtz-Thema hallt weiter nach
Erwartungsgemäß kam auch der heikle Fall Florian Wirtz zur Sprache, dessen Zukunft einst für große Spekulationen und öffentliche Diskussionen sorgte.
Carro hatte Bayerns Vorgehen im Werben um den damaligen Leverkusen-Star bereits zuvor kritisiert und als ungewöhnlich offensiv sowie zu öffentlich beschrieben.
„So etwas gehört sich eigentlich nicht“, hatte er damals gesagt. „Mich hat es mehr gewundert als gestört, dass sie so aggressiv an die Sache herangegangen sind.“
Wirtz ist inzwischen gewechselt, doch die Episode bleibt sinnbildlich für die Reibungen zwischen beiden Klubs – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Leverkusen zunehmend als ernsthafter Konkurrent zur Vormachtstellung der Bayern auftreten will.
Zwischen Respekt und Rivalität
Trotz aller Spannungen ist Carros Ton kein rein konfrontativer. Seine Aussagen spiegeln vielmehr ein komplexes Verhältnis wider: Anerkennung für die Leistungen der Bayern – gepaart mit dem klaren Willen, sich deren Einfluss nicht zu beugen.
Besonders deutlich wurde dies bei einem früheren Vorfall, als Carro auf einer Fanveranstaltung Bayerns Sportvorstand Max Eberl öffentlich scharf kritisierte – ein Moment, der die Beziehung weiter belastete.
Insgesamt zeichnen Carros jüngste Aussagen das Bild eines Klubs, der nicht länger im Schatten der Bayern stehen will. Leverkusens Führung sendet Signale von Selbstbewusstsein, Stabilität und Widerstandsfähigkeit – auf und neben dem Platz.
Und wenn man Carros Worte ernst nimmt, geht es in dieser Rivalität längst nicht mehr nur um Ergebnisse, sondern um Identität, Einfluss und die Frage, wer die Zukunft des deutschen Fußballs prägt.