Eine bedeutende Veränderung steht in den Tribünen des 1. FC Köln bevor.
Mit einer der weitreichendsten Ticket-Entscheidungen der vergangenen Jahre hat der Klub tausende Fans darüber informiert, dass ihre Dauerkartenverträge zur Saison 2026/27 nicht verlängert werden – es sei denn, sie werden offizielle Vereinsmitglieder. Betroffen sind rund 6.000 Dauerkartenverträge. Damit beginnt eine neue Ära, in der die Mitgliedschaft zur Voraussetzung für langfristigen Stadionzugang im RheinEnergieSTADION wird.
Die Entscheidung folgt auf monatelange Diskussionen über Ticketnachfrage, Wartelisten und den wachsenden Einfluss der Vereinsmitglieder. Auch wenn die Nachricht viele Fans überraschte, betonen Klubverantwortliche, dass die Maßnahme den klaren Willen der Mehrheit der Mitglieder widerspiegele.
Tausende erhalten Kündigungen
Am Freitag erhielten betroffene Fans offizielle E-Mails, in denen ihnen mitgeteilt wurde, dass ihre bestehenden Dauerkartenverträge zum 30. Juni 2026 beendet werden.
Der Klub beruft sich dabei auf eine Klausel in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die eine ordentliche Kündigung von Dauerkarten zum Saisonende ermöglicht. Eine Begründung ist laut Regelwerk nicht erforderlich.
Für viele langjährige Inhaber bedeutet dies dennoch einen tiefen Einschnitt: Zahlreiche Fans besitzen seit Jahren eine Dauerkarte, ohne Mitglied im Verein zu sein. Diese Trennung soll künftig nicht mehr möglich sein.
Kein endgültiger Verlust der Plätze
Trotz des ersten Schocks bedeutet die Kündigung nicht automatisch den Verlust des Stadionplatzes.
Betroffene erhalten die Möglichkeit, ihre Dauerkarte im Rahmen des sogenannten „Dauerkarten-Dialogs“ erneut zu sichern. Voraussetzung ist jedoch eindeutig: eine Mitgliedschaft beim 1. FC Köln.
Der Mitgliedsantrag muss spätestens bis zum 31. Juli 2026 gestellt werden. Danach können berechtigte Fans ihre Dauerkarte behalten.
Faktisch entfernt der Klub die Fans also nicht aus dem Stadion – vielmehr wird neu geregelt, wer zur Dauerkarten-Gemeinschaft gehört.
Rückhalt durch die Mitglieder
Die Entscheidung basiert auf einem Fan-Beteiligungsprozess, der bereits im Frühjahr abgeschlossen wurde.
Bei einem Mitgliederforum am 12. Mai wurden die Ergebnisse einer umfangreichen Umfrage vorgestellt, an der rund 18.000 Personen teilnahmen. Das Ergebnis war eindeutig: 72 Prozent sprachen sich dafür aus, Dauerkarten direkt an eine Vereinsmitgliedschaft zu koppeln.
Für den Klub war dies ein klares Mandat.
Angesichts von inzwischen über 165.000 Mitgliedern und einer dauerhaft überlasteten Ticketnachfrage sieht der Verein seine Verantwortung darin, bevorzugt Mitglieder zu berücksichtigen.
Die Situation wird zusätzlich verschärft durch lange Wartelisten und eine konstant hohe Nachfrage nach Heimspieltickets.
Zwischen Loyalität und Zugang
Die Entscheidung zeigt den zunehmenden Spagat traditioneller Fußballvereine: die Balance zwischen langjährigen Dauerkarteninhabern und der stetig wachsenden Mitgliederbasis.
Von rund 25.000 Dauerkarten sind etwa 5.000 Käufer von der Maßnahme betroffen (teils mit mehreren Tickets). Damit betrifft die Regelung rund ein Viertel aller Dauerkarten, auch wenn die tatsächliche Zahl freier Plätze vermutlich gering bleibt, da viele Betroffene einfach Mitglied werden und ihre Plätze behalten.
Kurzfristig dürfte sich die Ticketverfügbarkeit daher kaum grundlegend verändern – langfristig stärkt die Maßnahme jedoch den Stellenwert der Mitgliedschaft deutlich.
Zusätzliche Einnahmen für den Klub
Auch finanziell könnte der Schritt spürbare Auswirkungen haben.
Die Mitgliedschaft für Erwachsene kostet derzeit 92 Euro pro Jahr. Sollten alle betroffenen Dauerkarteninhaber beitreten, könnte der Klub zusätzliche Einnahmen von knapp einer halben Million Euro jährlich erzielen.
Parallel steigen auch die Ticketpreise zur neuen Saison leicht an. Eine Stehplatz-Dauerkarte in der Südkurve kostet künftig 241 Euro statt 234 Euro, während Kategorie I von 995 Euro auf 1.023 Euro steigt.
Beginn einer neuen Ticket-Ära
Für den 1. FC Köln ist die Botschaft klar: Dauerkarten sind künftig kein reines Produkt mehr, sondern ein Privileg, das direkt an die Vereinsmitgliedschaft gekoppelt ist.
Fans, die dem Verein beitreten, können ihre Plätze behalten und ihre Stadionroutine fortsetzen. Wer dies nicht tut, verliert seinen bisherigen Zugang.
Ob als fairer Schritt zugunsten der Mitglieder oder als schmerzhafte Entscheidung für langjährige Fans – die neue Regelung markiert einen der tiefgreifendsten Einschnitte in der Ticketstruktur des Klubs und könnte die Beziehung zwischen Verein und Anhängern nachhaltig prägen.