Fragen rund um Rav van den Berg und sein plötzliches Verschwinden aus den Planungen des 1. FC Köln nehmen weiter zu — und die Erklärung könnte über rein sportliche Gründe hinausgehen.
Der niederländische Verteidiger kam im vergangenen Sommer mit großen Erwartungen nach Köln. Für eine kolportierte Ablösesumme von rund acht Millionen Euro plus Bonuszahlungen vom Middlesbrough FC verpflichtet, galt van den Berg als zentrale Verstärkung für die Defensive und als einer der wichtigsten Transfers der jüngeren Vereinsgeschichte. Doch kurz vor Saisonende ist unklar, ob er in dieser Spielzeit überhaupt noch einmal zum Einsatz kommt.
Sportlich betrachtet scheint die Erklärung zunächst naheliegend. Eine Schulterverletzung warf ihn in der Hinrunde zurück und bremste seine Eingewöhnung in die Bundesliga erheblich. Nach seiner Rückkehr im Februar kämpfte sich der 21-Jährige jedoch wieder in die Mannschaft, stand sechs Spiele in Folge in der Startelf und schien sich zu stabilisieren.
Doch der Aufwärtstrend endete abrupt.
Nach einer wackligen Leistung beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt verlor er seinen Stammplatz endgültig. Interimstrainer René Wagner verzichtete anschließend komplett auf den Innenverteidiger. Besonders auffällig: Auch die Reise zum Spiel bei 1. FC Union Berlin trat van den Berg nicht an.
Offiziell sprach der Klub von muskulären Problemen.
Inoffiziell jedoch sorgt eine andere Theorie für Diskussionen.
Berichten aus Deutschland zufolge könnte eine Klausel im Transfervertrag vorsehen, dass Köln eine zusätzliche Bonuszahlung leisten muss, sobald der Verteidiger eine bestimmte Anzahl an Einsätzen erreicht. Van den Berg steht derzeit bei 14 Bundesliga-Einsätzen – ein weiterer Einsatz könnte demnach eine Zahlung von bis zu zwei Millionen Euro auslösen.
Diese Spekulation hat unter den Fans eine hitzige Debatte ausgelöst, auch weil Köln im Abstiegskampf nicht mehr unmittelbar unter Druck steht und Alternativen in der Defensive vorhanden sind.
Trainer Wagner wies die Gerüchte jedoch deutlich zurück, als er am Freitag darauf angesprochen wurde.
„Das höre ich zum ersten Mal“, sagte Wagner. „Er hatte letzte Woche Probleme, konnte das Abschlusstraining nicht beenden, deshalb haben wir uns für Dominique Heintz entschieden. Jetzt müssen wir schauen, wie wir uns am Sonntag für den Kader entscheiden. Aktuell trainiert Rav schmerzfrei.“
Eine Rückkehr in den Kader gegen 1. FC Heidenheim ließ der Trainer offen, wodurch die Situation weiter unklar bleibt.
Hinzu kommt eine weitere personelle Besonderheit: Dominique Heintz soll im letzten Heimspiel möglicherweise einen emotionalen Abschied vor den Fans erhalten, was van den Bergs Chancen auf eine kurzfristige Rückkehr zusätzlich erschweren könnte.
Intern soll Köln jedoch weiterhin Vertrauen in den Verteidiger haben. Verantwortliche sehen die kommende Sommervorbereitung 2026 als entscheidend an, um van den Berg nach einer verletzungsgeprägten ersten Saison vollständig an die Bundesliga heranzuführen.
Sportdirektor Thomas Kessler und Kaderplaner Tim Steidten beobachten parallel die Entwicklung weiterer Defensivspieler wie Jahmai Simpson-Pusey und Cenk Özkacar, bei denen Köln offenbar Kaufoptionen prüfen will.
Ob van den Bergs Abwesenheit also rein sportliche Gründe hat oder finanzielle Überlegungen eine Rolle spielen, bleibt weiterhin offen. Sicher ist nur: Ein Spieler, der einst als defensive Zukunft des Klubs galt, ist zu einem der größten Rätsel der Kölner Saison geworden.