Borussia Mönchengladbach ist mit einer spürbar veränderten Atmosphäre in die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison gestartet. Cheftrainer Eugen Polanski will nach mehreren Jahren der Stagnation im Tabellenmittelfeld sowohl die Identität als auch die Ambitionen der Mannschaft neu ausrichten.
Die Fohlen belegten in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielzeiten die Plätze 10, 10, 14, 10 und 12 – ein Sinnbild für eine lange Phase der Inkonstanz, in der der Traditionsverein eher im Niemandsland der Tabelle feststeckte, als um die europäischen Plätze mitzuspielen.
Nach lediglich 38 Punkten in der vergangenen Saison ist Gladbach entschlossen, das Niveau deutlich anzuheben. Seit dem Trainingsauftakt am 12. Juli lässt das Trainerteam intensiv arbeiten, während Polanski Schritt für Schritt seine Vorstellungen auf dem Platz umsetzt.
Obwohl Sportdirektor Rouven Schröder dem Cheftrainer öffentlich das Vertrauen ausgesprochen hat, gab es im Hintergrund weitreichende Veränderungen. Das gesamte Co-Trainerteam wurde neu aufgestellt: Jan-Moritz Lichte und Markus Gellhaus sollen mit frischen Ideen und neuen taktischen Impulsen den Neustart unterstützen.
Nach Informationen der Bild hat sich auch Polanski selbst auf dem Trainingsplatz verändert. Der Coach tritt deutlich lauter und präsenter auf, unterbricht die Einheiten regelmäßig und korrigiert seine Spieler mit klaren, gestenreichen Anweisungen. Die Trainingseinheiten sind anspruchsvoller geworden, während die Erwartungen an jeden einzelnen Profi klar formuliert werden.
Ein zentrales Ziel der Sommervorbereitung besteht darin, Gladbach wieder zu einer mutigen Offensivmannschaft zu entwickeln. Anstelle des eher vorsichtigen Fußballs der vergangenen Jahre soll künftig ein aggressiver, ballbesitzorientierter Stil mit schnellen Kombinationen auf engem Raum das Spiel prägen. Auch die Torhüter sollen den Spielaufbau bevorzugt von hinten eröffnen und nur in Ausnahmesituationen zum langen Ball greifen.
Zu seiner Fußballphilosophie sagte Polanski:
„Wir haben klare Vorstellungen, wie wir spielen wollen, das muss natürlich die DNA dieses Vereins entsprechen. Aber natürlich geht es auch darum, Ergebnisse zu erzielen. Es wird keiner feiern, wenn wir ständig schön spielen, aber keine Siege holen.“
Die taktische Neuausrichtung dürfte sich auch in der Formation widerspiegeln. Statt einer defensiven Fünferkette mit zwei Abräumern im Mittelfeld wird Gladbach voraussichtlich mit vier Offensivspielern agieren – aller Wahrscheinlichkeit nach in einem 4-2-3-1-System, das Polanskis offensiven Ansatz unterstreicht.
Der 39-Jährige ist zudem überzeugt, dass diese Vorbereitung einen entscheidenden Vorteil gegenüber der vergangenen Saison bietet, als er die Mannschaft erst nach Saisonbeginn übernahm.
Mit Blick auf diesen Unterschied erklärte Polanski:
„Vergangene Saison nach Saisonstart konnte ich nicht mehr so brutal viel ändern. Deshalb fühlt sich das jetzt sogar etwas entspannter an.“
Polanski war in der vergangenen Spielzeit zunächst nach dem dritten Bundesliga-Spieltag zum Interimstrainer und anschließend zum Cheftrainer befördert worden, wodurch ihm von Beginn an nur begrenzte Möglichkeiten blieben, seine Vorstellungen umzusetzen.
Trotz der Rückendeckung von Schröder ist dem Gladbach-Coach bewusst, dass die Erwartungen vom ersten Pflichtspiel an hoch sein werden. Die Borussia startet am 23. August mit dem DFB-Pokalspiel gegen Schott Mainz in die Pflichtspielsaison, ehe sechs Tage später zum Bundesliga-Auftakt die Auswärtspartie bei RB Leipzig ansteht.