Die Vorbereitungen von Hannover 96 auf den nächsten Anlauf in Richtung Bundesliga-Aufstieg haben unterschiedliche Ansichten innerhalb des Vereins über die Transferstrategie offengelegt. Cheftrainer Christian Titz und die sportliche Führung vertreten öffentlich unterschiedliche Auffassungen darüber, wie viel auf dem Transfermarkt noch getan werden muss.
Die Debatte gewann nach dem 2:1-Testspielsieg gegen den VfL Osnabrück an Fahrt. Titz machte dabei deutlich, dass er vor dem Saisonstart noch erheblichen Verstärkungsbedarf sieht.
„Wir wissen alle, dass wir noch vier, fünf, sechs Spieler benötigen“, sagte der 55-Jährige.
Sportchef Jonas Boldt schlug dagegen einen deutlich zurückhaltenderen Ton an und betonte, dass weitere Verpflichtungen allein nicht die Lösung seien.
„Nur Spieler zu verpflichten, ist nicht des Rätsels Lösung. Wir wollen es planvoll angehen. Es ist ja kein PlayStation-Spiel, wo man unendlich Geld hat oder einen Cheatcode.“
Vereinspräsident Martin Kind bemühte sich derweil, Spekulationen über vereinsinterne Spannungen zu zerstreuen. Unterschiedliche Meinungen seien ein normaler Bestandteil von Entscheidungsprozessen im Profifußball und kein Zeichen eines Konflikts.
„Es gibt keine Konflikte bei uns. Es ist legitim, dass ein Trainer vielleicht gern mehr Spieler haben möchte und der Geschäftsführer Sport sagt, dass das vielleicht zu viel oder zu teuer ist.“
Gleichzeitig appellierte der langjährige Klubchef an beide Seiten, solche Themen künftig intern zu behandeln.
„Grundsätzlich ist es aber besser, dass man solche Thematiken intern und nicht öffentlich austrägt oder diskutiert.“
Im Trainingslager in Iserlohn standen Titz 29 Feldspieler und vier Torhüter zur Verfügung. Der endgültige Kader soll jedoch aus 20 Feldspielern, drei Torhütern sowie Ergänzungen aus dem Nachwuchs bestehen. Bevor weitere Neuzugänge kommen können, werden daher zunächst Abgänge erwartet.
Boldt unterstrich die Bedeutung eines ausgewogenen Kaders und erklärte:
„Es können nur elf plus fünf Spieler spielen. Das darf man nicht vergessen. Um eine Zufriedenheit zu schaffen, muss eine Möglichkeit da sein, zu spielen.“
Trotz ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen herrscht innerhalb der Vereinsführung Einigkeit darüber, dass bis zum Ende der Transferperiode noch Verstärkungen verpflichtet werden sollen. Kind spricht sich dabei klar für Qualität statt Quantität aus.
„Ich würde empfehlen, dass wir noch was machen. Aber lieber ein oder zwei weniger, dafür aber mit dem eingesparten Geld qualitativ bessere Spieler.“
Der 82-Jährige stellte sich zugleich hinter seinen Trainer und ergänzte:
„Natürlich hat ein Trainer immer Wünsche. Das erwarte ich sogar von ihm. Das ist alles okay. Die Gespräche laufen konstruktiv. Es ist abgestimmt, dass noch Spieler verpflichtet werden. Jetzt müssen sich alle nur auf die Namen verständigen.“
Unterdessen beobachtet Hannover 96 weiterhin mehrere potenzielle Neuzugänge. Stuttgart-Verteidiger Christopher Olivier bleibt ein konkretes Thema. Darüber hinaus sieht der Verein Handlungsbedarf im zentralen Mittelfeld. Für den Angriff gilt der Brügge-Stürmer Gustaf Nilsson als möglicher Kandidat. Zudem haben sich die Roten mit dem vereinslosen Ex-Hannover-Stürmer Cedric Teuchert sowie dem ehemaligen St.-Pauli-Star Marcel Hartel vom MLS-Klub St. Louis beschäftigt.
Auch wenn die Transferplanungen weiterhin laufen, richtet sich der Fokus im Verein nun darauf, eine gemeinsame Linie zu finden und sich auf jene Spieler zu verständigen, die Hannover 96 im erneuten Kampf um den Bundesliga-Aufstieg bestmöglich verstärken können.