Der Hamburger SV ist in die entscheidende Phase seines Sommer-Transferfensters eingetreten. Mit Sebastiaan Bornauw ist ein wichtiger Neuzugang für die Defensive gesichert, doch Sportdirektor Claus Costa hat bis zum Ende der Transferperiode weiterhin wichtige Aufgaben zu erledigen.
Die Verpflichtung des belgischen Innenverteidigers hat einen der größten Bedarfe des Vereins nach dem Abgang von Luka Vušković geschlossen. Nun kann sich der Fokus auf die zwei Positionen richten, die der HSV weiterhin priorisiert: mehr Kreativität im Mittelfeld und zusätzliche Optionen für die Offensive.
Und natürlich steht Fabio Vieira weiterhin im Mittelpunkt.
Bornauw ist da – Problem in der Defensive gelöst
Mit Bornauw erhält Cheftrainer Merlin Polzin eine weitere erfahrene Option für die Innenverteidigung. Der Belgier verfügt aus seinen früheren Stationen beim 1. FC Köln und VfL Wolfsburg über Bundesliga-Erfahrung und soll vor allem körperliche Stärke, Kopfballstärke und Führungsqualitäten einbringen.
Seine Verpflichtung sorgt zudem für mehr Absicherung, nachdem Verletzungen die defensiven Möglichkeiten des HSV zuletzt eingeschränkt haben.
Für Costa bedeutet das: Ein großes Transferproblem kann praktisch von der Liste gestrichen werden.
Bornauw: erledigt.
Doch auf der offensiven Seite ist die Transfer-Checkliste längst noch nicht abgearbeitet.
Vieira bleibt der große Wunschtransfer
Der Wunsch des HSV, Fabio Vieira dauerhaft nach Hamburg zurückzuholen, gehört zu den prägenden Geschichten dieses Transferfensters.
Der Portugiese überzeugte während seiner vorherigen Zeit beim HSV und ist auch deshalb so interessant, weil er das System von Polzin, das Umfeld des Vereins und die Bundesliga bereits kennt.
Das Problem war bislang stets die Ablöseforderung des FC Arsenal.
Der HSV war nicht bereit, die ursprünglich von Arsenal aufgerufene Summe zu bezahlen. Die Vorstellungen der Hamburger lagen deutlich unter den Erwartungen des englischen Klubs. Doch die fortgesetzten Gespräche und die offenbar gestiegene Bereitschaft von Arsenal, bei der Ablöse entgegenzukommen, haben die Chance auf einen festen Transfer am Leben gehalten.
Damit ist aus der Personalie ein klassisches Transferfenster-Pokerspiel geworden.
Der HSV will Vieira. Vieira will den Wechsel. Arsenal will den richtigen Preis.
Und Costa muss entscheiden, wie weit er bereit ist zu gehen.
Was passiert, wenn Vieira nicht kommt?
Genau hier wird die Geschichte besonders interessant.
Der HSV kann es sich nicht leisten, die letzten Tage des Transferfensters einfach darauf zu warten, dass Arsenal eine Entscheidung trifft. Sollte der Vieira-Deal platzen, müsste der Verein schnell auf eine Alternative umschwenken.
Die gute Nachricht für den HSV: Costa verfügt inzwischen über größeren finanziellen Spielraum.
Der Verkauf von Fabio Baldé an Racing Straßburg für eine kolportierte Ablöse von rund sieben Millionen Euro hat dem Klub zusätzliche Mittel eingebracht, die potenziell wieder in den Kader investiert werden können.
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass der gesamte Betrag für Vieira verwendet wird.
Vielmehr eröffnet der zusätzliche finanzielle Spielraum Costa mehrere Möglichkeiten.
Ein Ersatz für Vieira könnte beispielsweise ein anderer kreativer Mittelfeldspieler sein. Gleichzeitig könnte ein Teil des Geldes dafür eingesetzt werden, die Offensive weiter zu verstärken.
Daka ist da – doch der HSV will offenbar noch mehr
Patson Daka ist bereits gekommen, um die Sturmposition zu verstärken, nachdem der Sambier Leicester City verlassen hatte.
Der Nationalspieler bringt internationale Erfahrung und zusätzliche Torgefahr mit. Doch die Transferplanungen des HSV scheinen damit noch nicht abgeschlossen zu sein.
Der Klub wurde auch mit weiteren Offensivspielern in Verbindung gebracht, darunter Terem Moffi. Das unterstreicht, dass im letzten Drittel des Spielfelds offenbar noch mehr Konkurrenz und Tiefe geschaffen werden sollen.
Sollte Vieira letztlich nicht zurückkehren, könnte dieser Punkt noch wichtiger werden.
Ohne die Kreativität des Portugiesen würde der HSV einen weiteren Spieler benötigen, der das Mittelfeld mit dem Angriff verbindet und Chancen für die Stürmer kreieren kann.
Damit hängen die verbleibenden Transferaktivitäten unmittelbar zusammen.
Vieiras Verpflichtung könnte einen Teil des Puzzles vervollständigen. Sein Aus könnte Costa hingegen dazu zwingen, das Puzzle neu zusammenzusetzen.
Das Baldé-Geld könnte das letzte Kapitel verändern
Der Zeitpunkt von Baldés Abgang ist besonders bemerkenswert.
Der HSV verliert zwar ein vielversprechendes Offensivtalent, gleichzeitig hat der Transfer dem Klub aber genau in der entscheidenden Phase des Transferfensters zusätzlichen finanziellen Spielraum verschafft.
Costa kann nun mit größerer Flexibilität in die letzten Verhandlungen gehen.
Sollte Arsenal seine Ablöseforderung weiter reduzieren, könnte dies dem HSV helfen, den Druck auf einen Vieira-Transfer noch einmal zu erhöhen.
Alternativ ermöglicht das zusätzliche Geld dem Sportdirektor, den Vieira-Poker zu beenden, falls die Forderungen weiterhin zu hoch bleiben, und die Mittel anderweitig einzusetzen.
Diese zweite Option könnte letztlich genauso wichtig sein.
Denn der HSV hat bereits gezeigt, dass er seine finanzielle Linie nicht einfach aufgeben möchte, nur um einen prominenten Transfer abzuschließen.
Costas Transferpuzzle
Die Transferstrategie des HSV wirkt zunehmend wie ein sorgfältig zusammengestelltes Puzzle und weniger wie ein wahlloser Einkauf.
Bornauw bringt Erfahrung und Stabilität für die Defensive.
Daka sorgt für einen erfahrenen internationalen Stürmer.
Der Baldé-Verkauf verschafft dem HSV zusätzliche Transfermittel.
Vieira bleibt die bevorzugte Lösung für mehr Kreativität.
Und ein weiterer Offensivspieler könnte weiterhin benötigt werden.
Damit stehen Costa vor dem näher rückenden Transferschluss zwei zentrale Aufgaben bevor.
Erstens muss er herausfinden, ob Arsenals Forderungen für Vieira endlich auf ein Niveau gesunken sind, das der HSV akzeptieren kann.
Zweitens muss er sicherstellen, dass eine Alternative bereitsteht, falls die Verhandlungen scheitern.
Denn die größte Gefahr wäre, zu lange zu warten und am Ende sowohl den Wunschspieler als auch mögliche Alternativen zu verlieren.
Der Deadline-Wahnsinn wartet
Für die HSV-Fans könnte die Schlussphase des Transferfensters deshalb deutlich unterhaltsamer werden als zunächst erwartet.
Bornauw ist bereits durch die Tür gekommen.
Vieira hängt noch irgendwo am Telefon.
Und Costa versucht, die letzten Teile des Transferpuzzles zusammenzusetzen, bevor die Uhr abläuft.
Das Wunschszenario des HSV ist offensichtlich: Vieira fest verpflichten und anschließend noch die notwendige Verstärkung für die Offensive holen.
Doch sollte Arsenal nicht von seinen Forderungen abrücken, muss der HSV bereit sein, weiterzuziehen.
Denn so wichtig Vieira auch sein mag: Er darf nicht zur einzigen Lösung werden.
Mit zwei Positionen, auf denen weiterhin Handlungsbedarf besteht, und einem näher rückenden Transferschluss ist der HSV in den letzten Akt seines Transferfensters eingetreten.